Corona – Brennglas gesellschaftlicher und struktureller Probleme

Corona hat unser aller Leben verändert. Seit mehr als einem Jahr wirkt der Virus wie ein Brennglas und weist mit aller Deutlichkeit auf die gesellschaftlichen und strukturellen Defizite hin.  Nicht dass wir das als LINKE schon seit Jahren, Jahrzehnten täten. Gleichzeitig erleben wir verschärft, wie eine planlose Landesregierung mit dem Krisenmanagement überfordert ist. Diese Planlosigkeit führt nicht aus der Krise heraus. Hier wirkt ein ganz anderer Mechanismus und der macht insbesondere sichtbar:

  • Gesundheitssystem

Das auf Privatisierung und Gewinn umgebaute Gesundheitssystem ist nicht mehr in der Lage, größere Herausforderungen zu meistern. Die u.a. schlechte Bezahlung der Pfleger*innen in der Altenhilfe dient nur dem einen Ziel: Gewinnmaximierung für die Privatinvestor*innen.

  • Kultur

Die in weiten Teilen unterfinanzierte Kulturlandschaft kann solch einer Krise nicht standhalten. Besonders die Selbstausbeutung und Armutsgefährdung der Kulturschaffenden (Soloselbständigen) wird jetzt gnadenlos aufgezeigt.

  • Bildung

Ein Schulsystem, das von Unterrichtsunterversorgung und Lehrer*innenmangel geprägt ist, ist nicht in der Lage, agil die Raum- als auch die Personalsituation an sich verändernde Bedingungen anzupassen. Die jahrelange vernachlässigte und verschleppte Digitalisierung fällt uns auf die Füße. Eine unvorbereitete Bildungsstruktur sieht sich genötigt, Unterricht digital anzubieten. Dem fehlen die mediendidaktischen und medienpädagogischen Kompetenzen. Dies führt vor allem zu Teilhabe- und Bildungsdefiziten bei Kindern und Jugendlichen.

  • Digitale Armut

Es verstärkt sich die Benachteiligung in der Bildung von Kindern und Jugendlichen in einkommensschwachen und/oder kinderreichen Familien durch fehlende technische Endgeräte – vom Rechner/Tablet bis hin zum Drucker – zum Lernen.

  • Beteiligung junger Menschen

Angebote der Kinder- und Jugendarbeit sind wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Sie gänzlich von diesen abzukoppeln, birgt vor allem Risiken für Kinder und Jugendliche: Junge Menschen brauchen gerade in der Krise wichtige Ansprechpartner*innen (per Mail, Telefon etc.). Finanzierungsvorgaben verhindern flexibles Umstellen von Maßnahmen und führen zu wegfallenden Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit.

  • Fehlender Nachwuchs für Sozialberufe

Dramatisch sichtbar wird auch der fehlende Nachwuchs im Bereich der Kindertagesbetreuung durch einen hohen Anteil von Fachkräften über 50 Jahren, die zur sogenannten Risikogruppe gehören. Personelle Herausforderungen in Kita und Hort: Das Personal geht in Rente – kommt noch jemand nach? Der in Sachsen-Anhalt schon schlechte Personalschlüssel bringt zusätzlich die Einrichtungen an die Grenzen des Machbaren.

  • Geschlechter(un)gerechtigkeit

Und wieder einmal sind es die Frauen, die die Last der Krise wegtragen. Sie sind in unterbezahlten Pflegeberufen tätig, sitzen im Supermarkt an der Kasse, verkaufen Brot und Brötchen beim Bäcker, betreuen die Kinder in der Kita – und parallel betreuen und unterrichten sie ihre eigenen Kinder auch zu Hause. Alternativ bleiben sie gleich ganz zu Hause, um sich um den Nachwuchs zu kümmern, denn noch immer ist die Gender-Pay-Gap nicht überwunden. Damit verfestigen sich traditionelle Geschlechterrollen, die eigentlich überwunden werden sollten.

  • Mobilität

In der Krise vermag es die extrem starke Autolobby, welche deutlich auf die Bundesregierung einwirkt, trotz Milliardengewinne noch staatliche Hilfen abzuzwacken. Ein Skandal! Diese Gelder müssen stattdessen in eine ökologische Verkehrswende fließen und besonders den ÖPNV stärken.

  • Arbeitnehmer*innen

Kurzarbeiter*innengeld erhält ohne Frage Arbeitsplätze. In seiner Höhe von 2/3 des regulären Einkommens trifft es dennoch gerade die, die schon wenig verdienen schwer.

 

Deshalb: Wir müssen weiter Arbeitnehmer*innenrechte verteidigen, die Kultur schützen und stärken, soziale Standards verbessern, Bildungsgerechtigkeit herstellen, Kinderarmut abschaffen, Teilhabe aller ermöglichen! Dies sind alles Bereiche, die der Wirtschaft Geld kosten, aber dem Menschen dienen. Menschen vor Profite! Solidarisch durch die Krise!